Die Traumbeschreibungen im Werk Plutarchs von Chaironeia (ca. 45-120 n. Chr.) waren bislang kein Bestandteil einer systematischen Einzelstudie, obwohl das Thema sowohl in den philosophischen, als auch historisch-biographischen Schriften eine wichtige Rolle spielt - immerhin sind von keinem kaiserzeitlichen Autor so viele Träume überliefert wie von Plutarch. Die Studie fragt ausgehend von diesem Befund nach der Rolle der Traumdarstellungen und -deutungen in Plutarchs Schriften. Dabei wird das Thema sowohl hinsichtlich seiner philosophischen, als auch historiographisch-biographischen Relevanz diskutiert. Wie gezeigt wird, verstand Plutarch Träume als ein Medium, das auf unterschiedlicher Weise Erkenntnis ermöglichte - philosophisch, indem die Aushandlung der Bedeutung von Träumen unterschiedliche Wissensbereiche in Dialog setzte und nach den Möglichkeiten und Grenzen der Kommunikation mit den Göttern fragte; und biographisch, indem Träume als Medien begriffen wurden, die Einblicke in den Charakter historischer Persönlichkeiten zuließen und Aufschluss über die Instrumentalisierung divinatorischer Zeichen zur Ausgestaltung bestimmter Ereignisse gaben. Diese ethische Perspektive auf das Thema unterschied Plutarchs Umgang mit Träumen grundlegend von den professionellen Traumdeutern der Zeit. Das vorliegende Buch liefert einen grundlegenden Beitrag zum Verständnis der religiösen sowie philosophischen Weltsicht Plutarchs sowie zur antiken (Traum-)Divination insgesamt.
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