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Angesichts unserer von Gewalt und Gewaltdarstellungen geprägten Gegenwart widmet sich Sasha Marianna Salzmann in ihrer Salzburger Stefan-Zweig-Poetikvorlesung der Frage nach den unterschiedlichen Manifestationen von sprachlicher, physischer und psychischer Grausamkeit und wie sie in der Literatur zur Darstellung gebracht werden. Literarische Texte haben sich immer schon an Gewalt und Grausamkeit abgearbeitet - im besten Fall als Widerspruch gegen die affekthafte Polarisierung der jeweiligen Zeit. Den Schlagzeilen und Statistiken stellt Literatur die Schilderung gelebten Lebens entgegen, der anonymen Menge das Schicksal Einzelner, der festen Rollenzuschreibung in sich widersprüchliche, ambivalente Charaktere. Durch diese Veranschaulichung verblasst die Vorstellung, es handle sich nur um das Leid der Anderen, die Einsicht rückt in den Blick, dass Leid in jedem Falle Leid bleibt, dass stets konkrete Menschen betroffen sind.Zugleich bedeutet über Gewalt zu schreiben stets auch: Gewalt zu schreiben. »Ganz gleich, wie vorsichtig ich auch den Ereignishorizont abtaste, je näher ich dem Kern der Geschichte komme, desto verantwortungsvoller muss ich die Lesenden führen. Denn nicht alle reagieren gleich auf ihre Sogkraft. Manche spüren sie früher, manche erst spät. Wie nah also herangehen? Wie explizit muss ich werden? Und bestimmt nicht die Entscheidung, wie ich von Gewalt erzähle, auch mit über mein Zielpublikum? Wozu ist ein Mensch in der Lage, wenn niemand zuschaut? Wozu fühlt er sich eingeladen, wenn er unter vielen ist?« Die Stelle neben der Wunde untersucht in drei Abschnitten, mit welchen Mitteln von Gewalt erzählt werden kann: Zunächst widmet sich der Abschnitt »Nashörner« der Darstellbarkeit historischer Gewalt, der zweite Abschnitt »Deutscher Winter« setzt sich mit Gewaltdynamiken innerhalb der deutschen Gesellschaft auseinander. Der dritte Abschnitt beleuchtet unter dem Titel »Erstens « die Katastrophe des 7. Oktober 2023, fragt nach dem Beginn von deren Geschichte und nach möglichen Bewältigungsmechanismen.