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Die Kameen in der Antikensammlung zählen zum ältesten Bestand der Staatlichen Museen zu Berlin. Im Kern gehen sie auf die Anfänge der Kurbrandenburgischen Kunstkammer im 16. Jahrhundert zurück, aus der sie 1830 bei der Gründung der Königlichen Museen ungeteilt in das Museum am Lustgarten überführt wurden. Die bedeutende Sammlung blieb bisher unzureichend publiziert. Seit dem "Verzeichnis der geschnittenen Steine im Antiquarium" von Adolf Furtwängler 1896 erlitt die Sammlung bittere Verluste infolge des Zweiten Weltkrieges, besonders bei den repräsentativen Stücken. Diese wurden soweit möglich anhand von Gipsabgüssen oder alten Fotos katalogisiert. In den letzten fünfzig Jahren kamen wichtige Neuerwerbungen hinzu, die jedoch die Verluste weder an Zahl noch an Bedeutung ersetzen können. Der Gesamtkatalog umfasst 875 Objekte, die in meist neu angefertigten Farbfotos abgebildet sind. Die Rekonstruktion der Geschichte der Berliner Kameensammlung anhand von Inventaren und Dokumenten in Berlin und Brandenburg sowie in alten europäischen Sammlungen klärte den Vorbesitz der meisten Stücke und verhalf ihnen zugleich zu einem Datum, vor dem sie entstanden waren. Die schwierige Frage der Datierung erhellte auch eine eingehende Analyse der verarbeiteten Edelsteine; deren Herkunft ist teilweise sowohl für die antiken wie für die barocken und neuzeitlichen Kameen nachweisbar. Als weiteres Kriterium dienten die seltenen originalen Fassungen der antiken Kameen. Glücklicherweise besitzt die Antikensammlung zwei römische Fundkomplexe mit Kameen, den "Schatzfund von Petescia" und das "Mädchengrab bei Rom": Diese wurden wegen ihrer Besonderheit dem Katalog vorangestellt; sie binden Kameen ohne Fassung oder Kontext in einen Zeitrahmen. Kameen mit den Signaturen antiker Graveure sind eine Rarität. Dioskurides, der im Altertum meist genannte Meister, war um 50 v. Chr. aus Aigeai in Kleinasien nach Rom ausgewandert und schnitt später das Siegel des Kaisers Augustus. Er signierte den Sardonyx-Kameo mit Herakles, der den Zerberus bezwingt; dieses Kleinod ist seit 1695 als Besitz des Kürfürsten Friedrich III. bezeugt. Hyllos, ein Sohn des Dioskurides, verwies in der Signatur seines delikaten Kameo mit dem kecken Satyrkopf stolz auf diese Abstammung. Die hohe Wertschätzung signierter Werke beflügelte die Gemmenschneider in Italien um 1800, denen wir eine Wiederbelebung der Glyptik verdanken. Die Kontinuität dieser Kunstgattung von der Antike bis in die Neuzeit, ihre Entwicklung in Stil und Sujets über mehr als zwei Jahrtausende zu verfolgen, erlaubt der bis heute ungeteilte Bestand an Kameen in der Antikensammlung Berlin.