Neue Gedichte - zum 90. Geburtstag Wolf Biermanns und zum 50. Jahrestag seiner AusbürgerungSeit seinem wunderbaren Überleben im Inferno der Bombennächte 1943, in denen, wie er schrieb, seine Lebensuhr festschmolz und er für immer sechseinhalb Jahre blieb, sieht Wolf Biermann immer auch mit einem Kinderauge auf das Leben. Dieser Kinderblick ist das hellwache Staunen im Blick des alten Dichters. Zu seinem 90. Geburtstag veröffentlicht Wolf Biermann nun einen neuen Gedicht-Band: Mit uralten Kinderaugen. Denn inzwischen sagt Wolf Biermann über sich selbst auch: Ich bin kein alter Mann mehr! Ich bin schon ein blutjunger Greis! Wolf Biermann - Ikone der deutsch-deutschen Geschichte und unbestechlicher Zeitzeuge über Jahrzehnte und Ländergrenzen hinweg - ist zuallererst eines: ein großer deutscher Dichter. Das zeigt dieser Band, in dem sich sein lyrisches Schaffen aus den letzten zwanzig Jahren findet. Unveröffentlichte Gedichte, Bilanzen und Balladen, geschrieben zwischen 2006 und 2026 - zart und furios, unverdrossen heiter und sympathisch bissig, lebenstrunken und hochpoetisch.
Biermann schreibt in provokanter und wohltemperierter Neugier auf eine sich immer wieder in neue Weltuntergänge verstrickende Welt. Mit ungebrochener Liebesfreude und Widerspruchslust. Und trotz aller Traurigkeiten fallen seine Verse nicht in eine bequeme Verzweiflung. Lieber dichtet Biermann mit selbstironischer Tapferkeit im Kampf auch mit den Altersgebrechen. Staunend und hellwach, mit uralten Kinderaugen, registriert, reflektiert, verdichtet und besingt Wolf Biermann unsere verrückten Eskapaden der Barbarei, denn er ist «wunderbar lebengeblieben» in den - hoffentlich - letzten zwei deutschen Diktaturen.
«Paar Wahrheiten hab ich zusammengereimt / Gespottet, geküsst, gejammert, geflucht / Gespuckt und gekotzt, doch niemals geschleimt / Dich hab ich gefunden, mich hab ich gesucht. / Ich staunte die Welt an, seit eh und je / - mit Kinderaugen, uralten.»