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Die Desavouierung des philosophischen Systemgedankens im Laufe des 20. Jahrhunderts bildet den Hintergrund dieser Studie. Hegels Systemkonzeption hat dabei eine zentrale Rolle gespielt. Die Neukantianer indes wollten sich mit der Preisgabe des Systemgedankens nicht abfinden. Zugleich bemühten sie sich, den Systemgedanken in Auseinandersetzung mit Hegel und der Systemkritik weiterzubilden. Indem die Untersuchung den Gehalt dieser Weiterbildung thematisiert, schließt sie zugleich beim gegenwärtigen Interesse für Hegel, den Neukantianismus und das Systemdenken an. Sie verbindet diese drei Aspekte miteinander. - Das Buch eröffnet mit einer problemgeschichtlichen Einleitung in das Systemproblem. Sodann folgt eine systemische Konfrontation 'Hegel - Rickert'. Vier Themen rücken dabei am Leitfaden derjenigen Problemkomplexe in den Vordergrund, die den Systemgedanken selbst umreißen (Anfangs-, Gliederungs- und Abschlußproblem): In den Kapiteln (1) Absoluter oder kritischer Standpunkt? Das methodisch-genetische Problem des Anfangs der Philosophie bei Hegel und Rickert, (2) Sein und Nichts am Anfang von Hegels Logik. Bemerkungen anläßlich einer Kritik Rickerts und (3) Dialektik oder Heterologie? Zur Grundstruktur des Denkens bei Hegel und Rickert wird der Problemkomplex des 'Anfangs' abgehandelt. Das 4. Kapitel Systemgliederung und Systemabschluß bei Hegel und Rickert thematisiert die beiden anderen Problemkomplexe: In welche 'Gebiete' ('Teile', 'Sphären', 'Regionen') gliedert sich das System der Philosophie? Wie läßt der Abschluß des Systems sich bewältigen, und zwar unter Berücksichtigung des Sachverhalts seiner 'Geschlossenheit' wie seiner 'Offenheit und Geschichtlichkeit'? Anschließend wird im 5. Kapitel Der Systemgedanke in der Entwicklung des südwestdeutschen Neukantianismus das in dieser Entwicklung (vor allem bei Jonas Cohn und Bruno Bauch) Erreichte rekonstruiert und in evaluierender Weise mit dem bei Hegel und Rickert Vorliegenden in Beziehung gesetzt. Das abschließende Kapitel System der Philosophie heute fragt zum einem, ob und inwiefern sich wichtige Ergebnisse der Auseinandersetzung mit dem Systemgedanken Hegels und dem des Neukantianismus im heutigen problemgeschichtlichen Kontext bewähren. Zum andern liefert es in Auseinandersetzung mit Systemkonzeptionen der Gegenwart (Wagner, Flach, Gloy u.a.) einen systematischen Beitrag zur Debatte über das philosophische System, wobei schließlich auch die nicht-systemische Philosophie einbezogen wird.
Prof. (UD) Dr. habil. Christian Krijnen (1965) lehrt Philosophie an der Vrije Universiteit Amsterdam. Er forscht gegenwärtig vor allem über Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, Systemphilosophie, philosophische Anthropologie, Kulturphilosophie, Philosophie der Wirtschaft, des Managements und der Organisation. Bei K&N erschien von ihm bereits: Nachmetaphysischer Sinn. Eine problemgeschichtliche und systematische Studie zu den Prinzipien der Wertphilosophie Heinrich Rickerts (2001); Geltung und Begründung: Perspektiven der Philosophie Werner Flachs (2007, Hrsg. zus. mit. Th. Göller); Kant im Neukantianismus: Fortschritt oder Rückschritt? (2007, Hrsg. zus. mit M. Heinz); Systemphilosophie als Selbsterkenntnis? Hegel und der Neukantianismus (2006, Hrsg. zus. m. H.-F. Fulda); Streit um die philosophische Methode: Der Neukantianismus und das Erbe des deutschen Idealismus (2002, Hrsg. zus. m. D. Pätzold); Sinn, Geltung Wert. Neukantianische Motive in der modernen Kulturphilosophie (1998, Hrsg. zus. m. E.-W. Orth).