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rigitte Dunkels jüngst erschienener Katalog "Tablescapes" ist eine gleich doppelt interessante Auseinandersetzung mit einem Thema, das wie kaum ein anderes von Projektionen beherrscht wird: Gender-Identität.Dunkel greift dabei auf ein Konzept aus dem Bereich des Interior Designs zurück. Denn ursprünglich handelt es sich bei "Tablescapes" um eine Home- and Living-Idee für die ein Tisch in eine Art (Themen-)Landschaft verwandelt wird. Es sind stilvolle Arrangements, sorgsam kuratiert, mit dekorativen Eyecatchern, und immer absolut "instagram-able", natürlich. Ein Konzept, das zudem oft feminin konnotiert wird.Doch dahinter steckt weit mehr als nur ein (selbst-)ironischer Fingerzeig. Denn die "Tischlandschaften" dienen Dunkel als Projektionsfläche für einen erweiterten Diskurs über feministische Kunst, bei dem transformative Role Models verhandelt werden. Aber eben nicht nur das. Denn Dunkel gelingt etwas mindestens noch mal so Interessantes: Sie erhebt dadurch nämlich den genderspezifischen Blick selbst zum Gegenstand der Betrachtung.Man fühlt sich dabei unwillkürlich an ein Zitat des Kunstkritikers John Berger erinnert, das Ulrike Rosenbach in einem Interview für diese Arbeitsweise anführte: "[...]Men look at women. Women watch themselves being looked at."Blickt man aus dieser Perspektive auf die vorliegenden Arrangements, so wirken diese betörend schön an der Oberfläche. Es sind hyper-ästhetische Environments von einer Klarheit, die fast schon weh tun. Doch beim genaueren Hinsehen entpuppen sich diese immer wieder neu als doppelbödig, rätselhaft, der vermeintlichen Eindeutigkeit widerstrebend. Der Reiz dieser ästhetisch ausgeklügelten "Tablescapes" liegt am geradezu kaleidoskopartigen Zusammenspiel der Bedeutungsebenen.Das Gesamt-Arrangement für dieses Setting besteht zunächst aus zwei Räumen, dem "Lightroom" und dem "Darkroom", in denen Brigitte Dunkel die "Drag Dolls" thematisch inszeniert.Es handelt sich dabei um drei ganz unterschiedliche Role Models, die auf einen Kunstkontext verweisen (wie das Golden Bug Girl auf Dalis 'Retrospective Bust of a Woman'), einen religiösen Kontext (die 'Shaker', eine von einer Frau gegründeten Freikirche), oder einen Gewaltkontext (den Femizid an der als 'Schwarze Dahlie' bekannt gewordenen Elizabeth Short), denen sie digitale Fotoarbeiten, Kleidungsstücke oder Vexierbilder gegenüberstellt. Und so Frauenbilder reflektiert, die zwischen Anbetung, Selbstbehauptung und Femme fatale oszillieren."Brigitte Dunkels Arbeiten fordern unser Verständnis für die Variabilität kultureller Muster ebenso heraus wie unser Nachdenken über Identität, Geschichte und Wissen", so die Kunsthistorikerin Olga Moldaver.Und Prof. Dr. Swantje Lichtenstein führt weiter aus: "Die Arbeiten der Künstlerin verbinden weiblich gelesene Elemente des Körpers, der Handarbeit, Mode, Gastlichkeit und des mütterlichen Hervorbringens mit männlich gelesenen Elementen wie installativen, technischen, digitalen Bildern, Soundelementen, Geräten, Maschinen, Formen und Materialien."Dem sorgsam gestalteten Katalog "Tablescapes" gelingt es nicht nur das ausgeklügelte Ausstellungskonzept auf Papier zu übersetzen. Er verlängert es via QR-Codes in den digitalen Raum. Zum Nacherleben und Neuentdecken.So entpuppt sich Brigitte Dunkels "Tablescapes" nicht nur als Dokumentation, sondern als eigenständige transformative Fortsetzung einer Arbeit, die den Raum zwischen Kunst, Körper und den zugrundeliegenden Codes choreografiert hat.Eine beeindruckende Fortsetzung von Dunkels Langzeitprojekt - dem "The Powder Room", ist es in jedem Fall.